
Karine Chevallier – Parfümeurin zwischen Grasse-Tradition und Pariser Gegenwart
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Ursprung und Ausbildung: ISIPCA, Atelierdisziplin, erste Lehrjahre
Karine Chevallier gehört zu jenen stillen Meisterinnen, deren Laufbahn in Grasse beginnt und in Paris ihre eigene Form findet. Nach dem Studium an der ISIPCA wurde sie bei Haarmann & Reimer von Mark Buxton zur Parfümeurin ausgebildet – eine Schule der Präzision, Rohstoffkenntnis und geduldigen Formulierung. Diese Grundlagen prägen ihren Stil bis heute: klare Strukturen, nuancierte Kontraste, emotionale Zurückhaltung mit langem Nachhall.
Olfactive Design: der unabhängige Weg
Nach Stationen in der Industrie folgte der Schritt in die Unabhängigkeit: Chevallier gründete Olfactive Design und arbeitet seither als freie Parfümeurin für Häuser zwischen Paris, Grasse und internationalen Nischenlabels. Ihre eigene Website beschreibt ihr Credo als „Passion und Zeit“ – Parfümerie als geduldige Kunst, die Begegnungen, Zuhören und die tiefe Kenntnis der Rohstoffe verlangt.
Handschrift: Balance, Textur, leise Intensität
Chevalliers Kompositionen wirken bewusst gesetzt und architektonisch: Transparenz trifft Wärme, Zitrus-Licht auf holzige oder balsamische Tiefe. Das Ergebnis sind außergewöhnliche Düfte, die nicht laut auftreten, aber auf der Haut eine beständige, elegante Präsenz entwickeln – ideal für Liebhaber von Nischenduft-Charakteren, die Substanz über Spektakel stellen. (Stilcharakteristik verdichtet aus Werk- und Markenprofilen.)
Arbeiten und Kollaborationen: von d’Orsay bis Gallivant
Ihre Vielseitigkeit zeigt sich in jüngeren und etablierten Projekten: Für d’Orsay zeichnete sie u. a. Songe à la douceur. C.B. – ein floraler Körperduft mit ledriger Kontur. Mit Gallivant entwarf sie Buenos Aires (2024), ein aromatisch-fougère geprägtes Stadtporträt; für Masque Milano entstand Alcove (2024). Zuvor prägte sie Kollektionen von Marcelle Dormoy (u. a. Nacarat, Heliodor, Gemma Veneris) und Maison Rebatchi (Bois d’Enfant). Diese Spannweite – zwischen zitrischer Helligkeit, samtigen Hölzern, Moschus-Hautakkorden und leisen Ledertönen – ist typisch für ihre ruhige, präzise Dramaturgie.
Haltung: Geduld, Materialkompetenz, Marktreife
Chevalliers Selbstverständnis verbindet Atelierkunst mit Praxis: Ein Duft müsse „Zeit verdienen“ – zum Verstehen der Materialien, zum Ausbalancieren der Formulierung, zur Reifung. Vielleicht erklärt gerade diese Geduld, warum ihre Werke zugleich charakterstark und alltagstauglich bleiben: luxuriöses Nischenparfum, das nicht überinszeniert, sondern getragen werden will.

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